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Wasserversorgung

Tunesien: Trotz zu 54 Prozent gefüllter Staudämme bleibt die Lage kritisch

Die im März 2026 gemeldete Füllrate der Staudämme von 54 Prozent stellt im Vergleich zu den Krisenjahren 2021–2024, in denen dieser Wert zeitweise unter 25% gefallen war, eine deutliche technische Erholung dar. Dennoch bleibt diese Verbesserung fragil, da sie die tiefgreifende Erschöpfung der Grundwasservorkommen nicht ausgleicht, die während langanhaltender Dürreperioden übermäßig beansprucht wurden. Ein großes Problem sind illegal gebohrte Tiefbrunnen.

Die Tatsache, dass der Staudamm von Sidi Salem unter dem nationalen Durchschnitt bleibt, bestätigt, dass sich die strategischen Reserven des Landes nur schwer nachhaltig erholen.

Explosion illegaler Bohrungen
Die Zahl von 34.000 nicht genehmigten Tiefbrunnen bei insgesamt 50.000 Brunnen offenbart eine Verschärfung der Governance-Krise. Historisch gesehen ist die Zahl illegaler Brunnen nach 2011 stark angestiegen, wodurch die Kontrolle der unterirdischen Wasserreserven für das Landwirtschaftsministerium nahezu unmöglich wurde. Diese Situation erklärt, warum Tunesien heute 133% seiner erneuerbaren Ressourcen verbraucht und somit direkt auf seine nicht erneuerbaren Reserven zurückgreift.

Eine technologische und gesetzliche Wende ist unerlässlich
Der Vergleich mit der Gesetzgebung von 1975 zeigt den Anachronismus des aktuellen Rechtsrahmens. Dieser wurde zu einer Zeit konzipiert, in der die Ressource als reichlich vorhanden galt und vorrangig der Ausweitung bewässerter Flächen diente, und ist nicht in der Lage, die Knappheit des 21. Jahrhunderts zu bewältigen. Im Jahr 2026 hat sich die Priorität auf Entsalzung und Wiederverwendung von Abwasser verlagert – Lösungen, die vor zwanzig Jahren noch marginal waren, heute jedoch zu den tragenden Säulen des Wasserüberlebens des Landes werden, neben innovativen Projekten wie den unterirdischen Staudämmen von Zaghouan.

Anm.: Leider hat die ONAGRI die jahrzehntelange Veröffentlichung von Füllständen im Internet eingestellt, warum auch immer.

Titelbild: Symbolfoto Staudamm Sidi Salem

Quelle: La Presse