Staudämme: Der durchschnittliche Füllstand hat 67 Prozent erreicht
Die außergewöhnlichen Niederschläge der Saison 2025/2026 haben den Füllstand der Staudämme erheblich auf durchschnittliche 67 Prozent verbessert und bieten beruhigende Perspektiven mit Blick auf die Sommersaison. Seit Beginn des hydrologischen Jahres am 1. September haben die kumulierten Zuflüsse etwa 1,56 Milliarden Kubikmeter erreicht, ein Volumen, das deutlich über dem Durchschnitt der letzten Jahre liegt. Diese reichlichen Niederschläge haben es den wichtigsten hydraulischen Anlagen des Landes ermöglicht, wieder beträchtliche Niveaus zu erreichen.
Die Staudämme im Norden, die den Großteil der Oberflächenwasserressourcen konzentrieren, weisen somit eine Füllrate von etwa 78% auf, stellte der Agrarexperte Aniss Ben Rayana während seines Radioauftritts fest. In der Region Cap Bon ist die Situation noch günstiger, mit Rückhaltebecken, die bis zu 98% ihrer Kapazität erreichen. Einige Anlagen, wie etwa die von Beni Metir, haben sogar ihren maximalen Schwellenwert überschritten, was die Behörden dazu zwang, kontrollierte Wasserabgaben vorzunehmen, um jegliches Risiko für die Infrastruktur zu vermeiden, indem sie Wasser in andere hydraulische Anlagen umleiten.
Diese bemerkenswerte Verbesserung dürfte eine stabile Versorgung mit Trinkwasser im Sommer gewährleisten, einer Zeit, die traditionell durch einen erhöhten Verbrauch gekennzeichnet ist, ohne Wasserabschaltungen befürchten zu müssen, insbesondere in der Region Cap Bon. Diese positive Entwicklung ist jedoch ungleich über das Gebiet verteilt. Die Staudämme im Zentrum weisen weiterhin besorgniserregende Werte auf, mit einer Füllrate von nicht mehr als 13%. Der Nebhana-Staudamm ist insbesondere nahezu ausgetrocknet. Diese Reserven sind jedoch entscheidend für die Bewässerung der Regionen Sahel, Kairouan und Sfax, wo die Landwirtschaft stark von Wasserzufuhr abhängt.
Um diese regionalen Unterschiede zu mildern und die Wassersicherheit zu stärken, wurde die Entsalzungsanlage von Sousse an das nationale Verteilungsnetz der Sonede angeschlossen, was den Druck auf die Ressourcen im Norden verringern und gleichzeitig eine ausgewogenere Versorgung gewährleisten soll.
Eine weitere große Herausforderung sind die Verluste durch Verdunstung. Ein nicht unerheblicher Teil der in den Staudämmen gespeicherten Wassermengen kann in den Sommermonaten aufgrund der hohen Temperaturen, die in einigen Regionen häufig über 40°C liegen, verdunsten. Experten zufolge können diese Verluste jedes Jahr mehrere zehn Millionen Kubikmeter erreichen.
Angesichts dieser Herausforderung werden technische und ökologische Lösungen geprüft, wie etwa die künstliche Wolkenimpfung über den hydraulischen Anlagen, die teilweise Abdeckung der Rückhaltebecken, der Einsatz von Verdunstungsschutzfolien oder auch die Optimierung des Managements der Wasserabgaben.
Auch wenn die aktuelle Situation beruhigend ist, bleibt die Notwendigkeit einer nachhaltigen Bewirtschaftung der Wasserressourcen bestehen, da Dürreperioden aufgrund des Klimawandels tendenziell immer häufiger auftreten.
Anm.: Leider hat die ONAGRI die jahrzehntelange Veröffentlichung von Füllständen im Internet eingestellt, warum auch immer.
Titelbild: Symbolfoto
Quelle: La Presse

